Blutegel-Therapie
Blutegel und Blutegel-Therapie
Die Geschichte
Da die Anfänge der Blutegeltherapie nicht so klar erforscht sind, werden unterschiedliche Wurzeln erwähnt, die von den Ägyptern, Griechen, Römern bis hin zu Indern reichen.
Das Wort "Egel" stammt von dem griechischen Wort echis, was soviel wie kleine Schlange bedeutet.
Manche vermuten sogar, daß die Schlange des Aeskulapstabes einen Egel darstellt.
Er ist jedenfalls schon lange für seine Heilkräfte berühmt.
Bei den Germanen wurde das Wort "Blutegel" z.B. nahezu synonym mit dem Wort "Heiler" verwendet. Dhanvantari, der indische Gott des Ayurveda, hält einen Blutegel in einer seiner vier Hände, und im Englischen wurden die Heiler des Mittelalters als "leecher" (engl. leech = Blutegel) bezeichnet.
Pukownik berichtet im Gesundheitsratgeber Blutegel-Therapie, dass bereits 1000 v. Chr. von der systematischen Zucht und Anwendung von Blutegeln berichtet wird. Auch in der Ayurveda-Medizin, der indischen Heilkunde, hatten sie ihren festen Platz. Auch Mittelalter war die Blutegeltherapie weit verbreitet und selbst Hildegard von Bingen (1098 bis 1179 n. Chr.), deren Bücher sich heute wieder grosser Beliebtheit erfreuen, empfahl diese Therapie ebenfalls. Bis fast zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Therapie allgemein bekannt. Zu dieser Zeit begann die Verdrängung der Naturheilkunde durch die Chemie. Die Blutegeltherapie fiel der Schulmedizin zum Opfer. Da Blutegel weder zu sterilisieren noch keimfrei zu machen sind, wurden sie abgelehnt.
Nach einer ca. 100 Jahre dauernden Zwangspause (bis ~1975)- die durch die Folgen abusushafter Mißbräuche im letzten Jahrhundert ("Vampyrismus"), mangelndes Wissen und Vorurteile begründet war - haben sie heute ihre "Approbation" als Heiler und als lebende Apotheken zurück.
Die Blutegel werden mehr und mehr zu einem Bestandteil in der medizinischen Versorgung und werden auch in der Tiermedizin erfolgreich eingesetzt.
Der Blutegel
Die Blutegel gehören zu der Familie der blutsaugenden Ringelwürmer und stehen den Regenwürmern nahe. Am bekanntesten ist die Art der medizinischen Blutegel, der Hirudo medicinalis. Infolge der schlechteren Wasserqualität ist heute der Egel nur noch selten in unseren Gewässern, vor allem in flachen, kalkarmen Teichen anzutreffen. Für medizinische Zwecke werden heute Blutegel gezüchtet.
Die Blutegel leben nur in klaren und vor allem sauberen Gewässern, Verschmutzungen jedweder Art tolerieren sie nicht. In der Natur halten sich hungrige Tiere an der Wasseroberfläche auf. Die Blutegel wiegen in ausgehungertem Zustand, also beim Ansetzen an den Patienten, zwischen einem und drei Gramm und ihre Länge beträgt meist zwischen vier und zwölf Zentimeter. Vollgesaugt und satt verdoppeln oder verdreifachen die Tiere ihren eigentlichen Umfang.

Der Biss ist sternförmig (auch Mercedesstern genannt), er wird durch ca. 80 Kalkzähnchen verursacht, die sich in die Haut raspeln um zum Blut zu gelangen.
Wärendessen erfolgt die Injektion des Wirkstoffcocktails (=SALIVA=Blutegelspeichel) durch die interdentale Öffnungen.
Diese Saliva enthält die folgenden bisher identifizierten Wirkstoffe:
Hirudin
Die Substanz hemmt die Thrombinbildung. Thrombin fördert die Entstehung von Fibrin aus Fibrinogen. Eine intravasale Fibrinbildung fördert die Thrombenbildung und hemmt die Blutzirkulation.
Egline
Sie hemmen die Aktivität der zum Teil zerstörerischen Enzyme wie Kathepsin, G-Elastase und Subtilisin. Diese Substanzen haben die Aufgabe bei einer Entzündung, z.B. nach einem Trauma oder einer bakteriellen Entzündung die geschädigten und nekrotischen Gewebe zu verflüssigen, damit sie durch den Lymphstrom zu den Lymphknoten gelangen und dort weiter zersetzt werden. Diese Enzyme werden durch Fresszellen aus deren Lysosomen freigesetzt. Damit diese Proteasen nicht unbegrenzt wirken, stellt das gesunde Gewebe die sog. Protease-Inhibitoren, die diese Enzyme blockieren und deren zerstörerische Ausbreitung hindern. Da sie sich aber bei ausgedehnten Entzündungen schnell verbrauchen, kommt es in solchen Fällen zur Ausbreitung der Entzündung auf noch gesunde Gebiete. Die Egline unterstützen dabei die Tätigkeit der körpereigenen Proteinase-Inhibitoren, indem sie die Proteasen inhibieren und das Ausbreiten der Entzündung verhindern.
Bdelin
Es hemmt ein fibrinolytisches Enzym, das bei einem Überschuss Abwehrzellen schädigt.
Hementin
Es besitzt Tromben auflösende Fähigkeiten.
Orgelase
Sie fördert die Mikrozirkulation.
Mikroaderlass
Bei Kleintieren, vor allem bei Hunden unter 20 kg, wirkt ein Egelbiss ähnlich wie der Aderlass. Beim Pferd ist der geringe Verluste des Blutes ohne Bedeutung und ohne systemische Wirkung. Lokal hat aber der Blutentzug vor allem bei Hufrehe und Phlegmonen ebenfalls den Charakter eines Mikroaderlasses.
Indikationen in der Tiermedizin:
Anwendungen beim Pferd
- Arthritis
- Arthrose
- Omarthrose
- Spat
- Podotrochlose
- Gonarthrose
- Schale
- Sehnenentzündung
- Akute Rehe
- Patellaluxation
- Wirbelsäuselnerkrankung
- Periodische Augenentzündung
- Gelekballen, Bursitiden (Genickbeulen)
Anwendung beim Hund
- Arthrose
- Schultergelnk
- Hüftgelenk
- Ellenbogen
- Wirbelsäulenerkrankungen (z.B.Spondylose,...)
Mehr Informationen über Blutegel sind zu finden auf www.blutegel.de .
Beispiele
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Aktualisiert (Freitag, den 23. Juli 2010 um 20:55 Uhr)





